aktualisiert am 1. Januar 2018 | erstellt im September 2016

 

Die Schein-Forscher

Jeder zehnte Arzt in Deutschland steht auf der Gehaltsliste der Pharmaindustrie

Pharmakonzerne bezahlen Ärzte dafür, dass sie beobachten, wie gut ihre Patienten ein bestimmtes Medikament vertragen. Wissenschaftlich sind diese „Anwendungsbeobachtungen“ wertlos. Doch Ärzte bekommen dafür im Schnitt 669 Euro – pro Patient. Eine neue CORRECTIV-Datenbank zeigt erstmals, welches Ausmaß die umstrittenen Studien erreicht haben – und welche Präparate vor allem in den Markt gedrückt werden.

 

Bei dieser Recherche haben wir mit der Süddeutschen Zeitung, dem NDR („Panorama“) und dem WDR kooperiert. Sie erscheint außerdem auf tagesschau.de, in der Sächsischen Zeitung, der Badischen Zeitung, der Berliner Morgenpost, im Hamburger Abendblatt, in der WAZ und in der Braunschweiger Zeitung.

 

Krebs ist eine Tragödie. Und ein glänzendes Geschäft. Mit einer einzigen Chemotherapie-Infusion kann ein Pharmaunternehmen locker tausend Euro verdienen. Entsprechend umkämpft sind die Ärzte, die darüber entscheiden, welches Präparat zum Einsatz kommt. Sie erhalten Einladungen zu Kongressen, Beraterverträge – und dürfen bei Anwendungs­beobachtungen mitmachen.

Bei diesen angeblich wissenschaftlichen Studien können Ärzte erstaunlich viel Geld nebenher verdienen, wenn sie ein bestimmtes Medikament verschreiben und anschließend ein paar Formblätter ausfüllen.

Die Antikorruptions-Organisation Transparency International hat schon vor Jahren gefordert, Anwendungs­beobachtungen zu verbieten. Weil sie „legalisierte Korruption“ seien, „eine Gefahr für Patientinnen und Patienten“. Doch passiert ist seither nichts. Die Schein-Studien erfreuen sich anhaltender Beliebtheit.

Starten Pharmaunternehmen eine Anwendungs­beobachtung, müssen sie dies unter anderem der Kassenärztlichen Bundesvereinigung und den Krankenkassen melden. Dort werden die Meldungen zur Kenntnis genommen und archiviert. Mit anderen Worten: gelesen, gelacht, gelocht. Aus der Meldepflicht folgt – nichts (siehe „Organisiertes Nichtwissen“).

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Quelle | correctiv.org | von Markus Grill | Beitrag vom 9. März 2016

 

 

 


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