aktualisiert am 1. Mai 2018 | erstellt am 9. April 2017

 

Rückverlagerung nach Rektumoperation

Patienten die an einem " Rektumkarzinom " erkrankt sind, werden soweit es ihre Operation zulässt, spinklererhaltend (Schliessmuskel erhaltend) operiert.

Für viele kann hier ein erneuter Leidensweg beginnen obwohl sie ihre eigentliche interdisziplinäre Therapie, wie Strahlen- und Chemotherapie (adjuvante Chemotherapie), Operation und Rückverlagerung hinter sich gelassen haben.


Nach ihrer Rückverlagerung werden Patienten oft mit den Worten: " Das wird mit der Zeit besser "  (häufige Stuhlgänge - anfänglich meist sehr Schmerz verbundene Durchfälle) ohne weiterführende Medikation  aus der Klink entlassen, sind sich meist selbst überlassen, da es kaum oder keine Informations- und  Aufklärungsangebote für Betroffene, unterstützende Angehörige - oder (wie selbst erfahren) Hausärzte gibt.

 

Artikel vom 23. August 2017 | Linktipp > Krankenhausentlassmanagement

 


Einblicke zur Rückverlagerung

Stoma-Rückverlagerung nach einer Darmkrebserkrankung – hier das Rektumkarzinom, ein Thema das mich seit 10/2011, der Erkrankung meines Ehemannes beschäftigt, Hintergrundinformationen für mich gesammelt habe, und an dieser Stelle gern an Sie weiter geben möchte.

Meine persönlichen Erfahrungen werden bewusst teilweise in Laien verständlicher Form in diesen Beitrag einfließen.

Eine Darmkrebserkrankung (Rektumkarzinom) voraus gegangen, Arztgespräche vor Operation, wo Sie darüber informiert wurden, dass ein vorübergehendes Stoma zur Entlastung von Stuhlausscheidungen und Abheilung des operierten Darms angelegt wird.

Die Information, dass erst bei der eigentlichen OP gesehen und entschieden werden kann, in wie weit eine Rückverlagerung möglich ist, da ein Mindestabstand zum Schließmuskel gegeben sein muss, um einen wieder Anschluss zu ermöglichen, wird (sollte) im Vorgespräch erläutert (worden sein).

So kann es vorkommen, dass bei Operation des Rektums und erkrankten Gewebes kein Mindestabstand bleibt, die geplante Rückverlagerung ausgeschlossen, und ein endständiges Stoma angelegt werden muss.

 

Wir leben heute in einer schnell läufigen und modernen Zeit, viele Dinge sind heute durch Techniken ersetzbar, so auch in der Medizin.

Wir kennen es durch Gelenk- oder Zahnersatz um einmal ein Beispiel zu nennen.

 

Mit unserem Darm verhält es sich anders – er ist nicht ersetzbar.

 

Bei erster Operation wird das Rektum (Auffangreservoir für Stuhlausscheidungen) entfernt, ein sogenanntes Ersatzreservoir  "Colon J-Pouch" (bei tiefer Rektumresektion etabliert) angelegt – zunächst hat dieses keine Funktion.

Ein vorübergehendes Stoma, auch Entlastungsstoma genannt, übernimmt nun für einige Zeit die Tätigkeit des Darms.

Vor der Rückverlagerung wird noch einmal genau untersucht, ob der Pouch und die Anastomose (Darmnaht) ok sind, ebenso wird/kann (je nach Klinik) ein Stuhlhaltetest erfolgen.

Bei Rückverlagerung wird nun das Stoma wieder entfernt, der nach außen geführte Darm wieder in den Bauch zurück verlegt. Der ursprüngliche Weg des Darms ist durch Verbindung der Darmenden (Darmnaht) an dieser wieder hergestellt.

Für Chirurgen alltägliche Eingriffe, keine Besonderheiten.

 

Wie geht der Darm mit der Rückverlagerung um ?   Funktioniert gleich alles wieder ?

Meist wird ein Entlastungsstoma nach 6 Monaten zurück verlegt (in einigen Kliniken nach 3 Monaten).

Der Darm hat seine ursprüngliche Aufgabe in dieser Zeit verlernt, muss sich erst langsam wieder an seine Tätigkeit gewöhnen.

Der Colon J-Pouch als Rektum Ersatz ist kleiner als das entfernte Rektum, fasst weniger Volumen und ist nicht darauf vorbereitet den auszuscheidenden Stuhl zu sammeln.

Mit einem Training des Schließmuskels sollte daher möglichst früh nach der Operation begonnen werden, um die Muskelkraft für die späteren Stuhlausscheidungen zu erhalten.

Es ist wichtig für Sie zu wissen, dass nach einer Stoma-Rückverlagerung – gerade nach einem Rektumkarzinom, nicht gleich wieder alles funktionsfähig sein wird. 

Der Darm - das größte Organ des Menschen, reagiert sehr sensibel, nimmt sprichwörtlich „ alles übel „ was ihm widerfuhr, braucht seine Zeit sich zu erholen.

So kann es 6 Monate, bis zu einem Jahr oder länger dauern, bis sich der Darm regeneriert hat.

Für Patienten eine große Herausforderung, hier ist sehr viel Geduld erforderlich, die Situation für sich erst einmal so anzunehmen, fällt oftmals schwer.

Die ersten Stuhlausscheidungen können sehr häufig, meist Durchfall artig und schmerzhaft sein.

Der Darm benötigt unterstützend Hilfe durch Medikamente, Quellmittel auf pflanzlicher Basis, mit einem anfänglichen leichten Kost Aufbau wird bereits in der Klinik begonnen.

 

Wichtige Informationen und Hinweise die bei einem Vorgespräch zur Rückverlagerungs-OP fehlen.

 

Warum ?

Diese Frage hatte ich mir gestellt.

 

Patienten die an Darmkrebs erkranken suchen im allgemeinen ihren Hausarzt /Ärztin auf, wenn ihnen ihr Darm Probleme macht, oder er wird zufällig bei einer Untersuchung entdeckt.

(Anders hingegen bei chronischen entzündlichen Erkrankungen wie Colitis Ulcerosa oder Morbus Crohn, diese Patienten werden meist gastroenterologisch betreut).

Koordiniert zu weiteren Untersuchungen bis hin zur interdisziplinären Behandlung in einem Darmzentrum, oder anderen Fachklinik für Darmkrebspatienten.

Die Betroffenen unterziehen sich Operationen – werden auf der Chirurgischen Station aufgenommen, somit chirurgisch versorgt, entlassen und den weiter behandelnden Ärzten zurück übergeben.

 

Mit Erkrankung meines Ehemannes schloss ich mich einem Internet Forum für Betroffene, die mit einem Stoma leben an, informierte mich, konnte viele wichtige Informationen für meinen Ehemann und mich sammeln.

Auch nahm ich vor seiner Stoma-Rückverlagerung, Kontakte zu ehemaligen Stomaträgern auf die ebenfalls an einem Rektumkarzinom erkrankt waren, wollte wissen wie es ihnen ergangen ist, es ihnen heute geht.

Sie alle hatten keinen wirklichen Ansprechpartner, versuchten sich teils Tipps und Hilfen im Internet zu erlesen.

Nahmen teils Kontakte zu verschiedenen Ärzten und Kliniken auf, weil sie Probleme nach ihrer Rückverlagerung hatten.

Patienten die keine anfänglichen Stuhlhalteschwächen, häufigen Toilettenbesuche und daraus resultierenden Schmerzen hatten, habe ich nicht kennengelernt.

 

Eine Stoma-Rückverlagerung nah am Schließmuskel kann mit postoperativen Störungen wie Funktionsstörungen und Schmerzzuständen einher gehen.

 

Informationen die für Sie als Patient, Gesprächbasis für Ihre anstehende Rückverlagerung sein sollte, sofern Sie an einem Rektumkarzinom erkrankt sind und operiert werden.

 

Bei einem Eingriff der hinsichtlich der Rückverlagerung zu anfänglicher Stuhlhalteschwäche, u.U. sogar zu einer dauerhaften Stuhlinkontinenz führen kann, ist ein umfangreiches Aufklärungsgespräch:

> Folgezustände | Vorderes Resektionssyndrom | LARS

unumgänglich/erforderlich. Sie als Patient müssen wissen, was nach der Rückverlagerung auf Sie zukommen kann, ebenso wie Sie mit der neuen Situation umgehen, Ihre Ansprechpartner sein können.

 

Bürgerliches Gesetzbuch (BGB) § 630c Mitwirkung der Vertragsparteien; Informationspflichten

Auszug aus (2)

"Der Behandelnde ist verpflichtet, dem Patienten in verständlicher Weise zu Beginn der Behandlung und, soweit erforderlich, in deren Verlauf sämtliche für die Behandlung wesentlichen Umstände zu erläutern, insbesondere die Diagnose, die voraussichtliche gesundheitliche Entwicklung, die Therapie und die zu und nach der Therapie zu ergreifenden Maßnahmen."

Quelle | Bundesministerium der Justiz und Verbraucherschutz

 

Fast 2/3 aller Patienten leiden nach Operationen wie dieser unter Kontinenzstörungen, die wie bereits erwähnt 6 Monate, bis zu einem Jahr oder länger andauern können.

Dies zeigt eine fast 5- jährige, eigens geführte Dokumentation und Kontaktaufnahmen zu betroffenen Stoma zurückverlagerten Patienten.


Eine Dokumentation über den Verlauf der Rückverlagerung, eigens für meinen Ehemann geschrieben, stellte ich klinisch vor – bis auf die Dosierungs- und Einnahmehinweise der Medikamente und pflanzlichen Mittel hatte ich mich sehr gut vorbereitet.

Die Erfahrungen meines Ehemannes, Kontaktaufnahme zu anderen Betroffenen nahm ich wahr und schrieb das eigene Konzept um.

Somit entstand in 1. Auflage (Juni 2014) die Informationsbroschüre Stoma Rückverlegung“ nach einer Darmkrebserkrankung, seit Juli 2015 in 2. Auflage ein LEITFADEN zur Rückverlagerung nach Darmkrebserkrankung.

 

Mit neuen Themen ergänzt, steht seit Juli 2017 ein in 3. Auflage, neuer

LEITFADEN für Stoma zurückverlagerte Patienten nach Rektumoperation bereit.

 

aktualisiert am 30. November 2017 | erstellt am 12. September 2017

Der Leitfaden ist über Kontaktaufnahme 0172 - 85 70 896 zur Redaktion,

innerhalb der Sprechzeiten bestellbar und kostenfrei

 

Möglichst viele Betroffene mögen diese Informationen erhalten,

wissen, warum ihr Darm nicht gleich funktionieren kann und wird – sie unterstützend Medikamente benötigen um den anfänglichen, doch sehr schmerzhaften Stuhlausscheidungen entgegenzuwirken - Ernährung ein wichtiger Therapieansatz ist.

 

Schmerzmittel - Opioide - Psychopharmaka

Schmerzmittel  > Ibuprofen

Opioide  > Tilidin > Morphin

Psychopharmaka  > hier Antidepressiva > Amitriptylin > Mirtazapin

nehmen K E I N E N  Einfluss auf die Schmerzen da die eigentliche Ursache > " häufige Stuhlfrequenzen " zu minimieren gilt. 

 

Informationen die Patienten/Betroffene unterstützen mögen, mental, mit neuer Situation nach Operation besser umzugehen.

 

 


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